Leseprobe von GMHK  

 

 ÜBER MICH

» Hallo
» Lebenslauf
» Übersetzungen
» Veröffentlichungen
» Auftragsarbeiten
» Mein Bücherschrank
» Über gudrun.net

» á íslensku


 PROJEKTE

» aktuell
» langfristig


 LESEPROBEN

» Texte von GMHK
» übersetzte Texte


 TERMINE

» Was? Wann? Wo?


 KONTAKT

» So finden Sie mich
» Anfragen


 LINKS

» Island-Links von A bis Ö



  [ Aktuelles ] [ Archiv ] [ Artikel drucken ]

Magisches Island II (8.3.2003 - 00:00)

Wie aber kommt es, daß eine Nation, die sich sehen lassen kann und ihre Probleme ganz offenbar beispielgebend löst, an Geister, Elfen, Unsichtbare und Trolle glaubt wie ein Naturvolk? Eine schlüssige Antwort wird sich kaum finden lassen, denn die Isländer selbst antworten mit einem entwaffenden "Warum nicht?". Schließlich gestehen bei spontanen Umfragen mehr als 60% der Bevölkerung ein, an unsichtbare, mythische Wesen zu glauben. Zumindest räumen sie ihnen ein angestammtes Existenzrecht auf ihrer Insel ein, die bei einer Siedlungsdichte von weniger als drei Personen pro Quadratkilometer über genügend Platz und geheimnisvolle Orte für die unterschiedlichsten Völkerschaften verfügt, seien sie greifbar oder nicht.
Seit einigen Jahren erstellen Seher und Seherinnen Elfenkarten und -stadtpläne, und die Elfenschule in Reykjavík vermittelt in Abendkursen Einblicke in das Leben der Verborgenen; dort werden zudem systematisch Berichte von Begegnungen mit den nur für wenige Menschen sichtbaren Wesen gesammelt. Aber wenn sie wollen, können sich die Verborgenen, die vorzugsweise in Hügeln oder Felsen residieren, jedem von uns zeigen.
Vermutlich zählen die Trolle, Elfen, Zwerge und Verborgenen genauso wie der Polarfuchs, der die Insel offenbar auf Treibeisschollen erreichte, zu den legitimen Ureinwohnern Islands. Immerhin spricht die im 13. Jahrhundert niedergeschriebene, vorher mündlich überlieferte Edda von einer Vielzahl an Geschöpfen, die sowohl auf als auch unter der Erde vorkamen. Die Edda schildert, daß aus der Verbindung von Trollen und Menschen Kinder hervorgingen, die sogenannten Halbtrolle, und daß nicht wenige Trolle und Zwerge von den teilweise kriegerischen Göttern ins mythologische Jenseits, das Totenreich Hel, befördert wurden. Märchen berichten von Elfenfrauen und -männern, die aus Liebe bis zu ihrer Entdeckung im Menschenreich lebten und dort wie auch im Elfenreich Kinder hatten. Solche Märchen stimmen ihre Leser traurig, weil sie die Unvereinbarkeit der Welten schildern: Nach der Entdeckung gibt es trotz allen guten Willens der Liebe kein Bleiben mehr. Menschen lernen aus den Märchen, lieber unter sich zu bleiben und den Verborgenen nur mit äußerster Vorsicht in ihre Felsbehausungen folgen, weil die Gefahr besteht, für immer dort bleiben zu müssen. Ein einfacher Trick ermöglicht jedoch den Grenzgang: Lassen Sie, wenn Sie von Verborgenen um Beistand gebeten werden, was vor allem bei komplizierten Geburten der Fall sein kann, vor der Felsenpforte etwas Persönliches zurück, einen Handschuh vielleicht oder ein Halstuch. Nur so können Sie sicher sein, nach geleisteter Hilfe Ihre Lieben in der Menschenwelt wiederzusehen

Beitrag von Gudrun M. H. Kloes
 
 

 
Benutzer:
Passwort:
Webdesign © the virtual gaucho  Post für den Gaucho