Leseprobe von GMHK  

 

 ÜBER MICH

» Hallo
» Lebenslauf
» Übersetzungen
» Veröffentlichungen
» Auftragsarbeiten
» Mein Bücherschrank
» Über gudrun.net

» á íslensku


 PROJEKTE

» aktuell
» langfristig


 LESEPROBEN

» Texte von GMHK
» übersetzte Texte


 TERMINE

» Was? Wann? Wo?


 KONTAKT

» So finden Sie mich
» Anfragen


 LINKS

» Island-Links von A bis Ö



  [ Aktuelles ] [ Archiv ] [ Artikel drucken ]

Nachspiel in der Wanne (04.07.2001 - 23:22)

Aber dann kam es mit Loki anders als erwartet. Das hätte ich mir ja denken können ... Er fragte, ob er kurz ins Bad verschwinden dürfe. Freyjas Federkleid, das ihn hergebracht hatte, lag über dem Sessel mit den Schwanenmotiven im Eingang; Loki würde nicht unbemerkt entkommen können. So willigte ich ein. Aus dem Kühlschrank nahm er zwei Liter Buttermilch und stieg die Treppe empor; er schien sich bestens auszukennen. Ich hörte Badewasser einlaufen. Nach einer Weile breitete sich ein zum Ersten Sommertag passender, wohliger Erd- und Blütengeruch aus, und ich wäre nicht verwundert gewesen, wenn Loki wie ein zurückgekehrter Zugvogel geträllert hätte.
Stattdessen rief er mich nach oben, ein herrliches Bad offerierend: Zum warmen Wasser hatte er die Buttermilch, eine Spur Patchouli, zwei Tropfen Moschusöl und einen Spritzer Ananya gegeben, und auf der Oberfläche schwammen (rätselhaft, wo er die herhatte) unzählige Vergißmeinnicht. Der Duft nahm mich ganz in Beschlag. Das Fenster war mit einem Handtuch verdunkelt, eine Kerze schimmerte auf dem Waschtisch, auf dem Wannenrand wartete ein Piccolo, das Badetuch wärmte sich auf der Heizung für die Fröstelphase nach dem Bad.

>Bitte sehr, meine Schöne<, sagte Loki. Er saß auf dem geschlossenen Klosett, nicht gerade weltmännisch, aber zu meinen Füssen hätte ich ihn auch nicht gerne gesehen. Damit, daß er eine Wohltat für mich plante, hatte ich nicht gerechnet. Meine fragmentarische Menschenkenntnis - natürlich mußte sie an ihm scheitern! >Wie gefällt dir mein Sommeranfangs- und Veilchenbad?< fragte er mit unbescheidenen Augen. Ich korrigierte: >Vergißmeinnicht.< >Das hast du gesagt<, gab er zurück, >aus meinem Munde wäre es ein viel zu großes Wort.< Und lächelte mich offen an.

Alle Rachepläne und der Drang, Loki zu verstoßen, waren dahin, als mir blitzartig meine Bereitschaft klarwurde, ihm eine Frist einzuräumen, Aufschub zu gewähren. Er war nicht der erste und wird nicht der letzte sein, dem die Liebe etwas verzeiht, was anderen den Hals bricht. Der selbstredend davon ausgeht, daß sein bloßes Erscheinen mindestens die Hälfte des Grolls auszulöschen vermag, den er bewußt heraufbeschworen hatte.

Ich musterte ihn. Kein Zweifel, er gefiel mir so gut. Loki sah mich seinerseits an, als sei er meiner nicht ganz sicher. Mit der Hälfte meines Grolls mußte er immerhin rechnen. Würde ich ihn wollen? Das Bad jedenfalls reizte. So zog ich mich nach allen Regeln der Kunst aus, seine Verlockung annehmend. Die gegenseitige Verführung ist immer die schönste. Schade, daß ich außer der Hose und einem Schlüpfer nur ein Hemd trug; ich machte so viel daraus wie möglich. Zu so einer Gegebenheit müßten es sieben seidene oder halbseidene Stücke sein und großzügiger Schmuck. Jeans sind denkbar ernüchternd und erfordern einige wohlüberlegte Akrobatik, wenn sie aufreizend zu Boden gleiten sollen. Aber es darf ja gerne etwas dauern ... und darauf glitt ich selbst ins Bad, daß die Haare neben dem Kopf schwammen und sonst nur die Brustspitzen und die lackierten Fußnägel zwischen den Vergißmeinnicht hervorragten. Keine Bewegung, nur fixierende Blicke zwischen uns.

Lange Zeit kein Wort, dann ein Winken meiner Zehen. Er stand auf und entkleidete sich ebenso langsam wie ich. Die Situation, das konnte ich sehen, als er nackt war, beeindruckte ihn zu meiner vollen Zufriedenheit: So wie die Sonne im Zenith. Darauf stieg er in die Wanne und löste eine so heftige Flutwelle aus, daß sie unsere Kleidungsstücke auf dem Boden in Rekordzeit erreichte ... ich legte ihm Vergißmeinnichtblüten auf die Zunge, und sein Körper, seine Lebenskraft und Lust teilten sich mir mit wie Sekt dem Blut, wie Balsam der Seele, Öl dem Feuer und wie Honig den sanftesten Hautfalten (etwas für danach auf dem Trockenen), und ich vernaschte ihn und er mich in der glatten, feuchten, duftenden, unausweichlichen und allmählich abkühlenden Enge, ganz ähnlich, wie Du es an unserer Stelle auch getan hättest, liebe Leserin, lieber Leser.
[Aus dem Buch "Erotisches Island"]
Beitrag von Gudrun M. H. Kloes
 
 
 
Benutzer:
Passwort:
Webdesign © the virtual gaucho  Post für den Gaucho